Mittwoch, 25. Juli 2007
Spaziergang mit Jochen Robes
Mittwoch, 25. Juli 2007
Normalerweise beginnen wir bei unseren Spaziergaengen immer erst mit den Fragen und Antworten. In diesem Fall moechte ich jedoch - wie ich meine eine berechtigte - Ausnahme machen. Das Bild das mir Jochen Robes fuer die Veroeffentlichung mailte, verdient es ganz am Anfang zu stehen, oder? Auch wenn es nicht unbedingt meinen Vorstellungen eines Spazierganges entspricht;-)
Hier nun unsere Fragen:
Wie würden Sie am liebsten lernen - wenn sie es sich frei aussuchen könnten?
Lernen ist für mich kein Thema mehr. Ich bin in Projekten, ich schreibe Konzepte, Präsentationen, Artikel, daraus ergeben sich Aufgaben und Deadlines, dafür benötige ich Informationen, die wiederum können im Web oder in einem Buch sein, oder ich rufe jemanden an. Viele Dinge wiederholen sich und ich werde (hoffentlich) schneller, effizienter, vielleicht sogar besser. Irgendwo auf diesen Wegen muss auch das Lernen stecken, oder? Wer kann mir helfen?
Wie vermuten sie, dass ihre Kinder/Enkel lernen werden?
Es wird sicher viel vernetzter sein als heute. Es wird damit auch weniger ein „alleine lernen“ sein, weil man „always on“ ist und Inhalte und Antworten anderer immer nur einen Klick entfernt sind. Es wird aus dem gleichen Grund nicht mehr nur in den klassischen Lernräumen und Lernsituationen stattfinden, sondern wann immer sich Möglichkeiten bieten. Aber wir werden vermutlich weiter verzweifelt versuchen, individuell in Prüfungen und Klausuren Wissen zu testen.
Welche Probleme erwarten sie in Zukunft?
Vielleicht werden wir uns wieder an so etwas wie Bildung erinnern: nicht als unhinterfragter Wertekanon der Älteren oder Jauch-kompatibles Lexikonwissen, sondern als gemeinsames Grundverständnis, um auf Augenhöhe Fragen und Probleme miteinander diskutieren zu können.
Welche Probleme werden wir in Zukunft lösen?
Wenn wir beim Lernen bleiben: der Zugriff auf Informationen wird noch umfassender, schneller. Müssen wir noch Fakten lernen? Reicht Wikipedia, und ist 42 vielleicht doch die Antwort auf alles? Müssen wir noch Rechnen können? Oder weitere Sprachen beherrschen? Aber vielleicht werden wir auch feststellen, dass wir gar keine Probleme gelöst, sondern uns von einigen nützlichen Kulturtechniken befreit haben.
Welche Chancen für die Zukunft verbinden sie mit den aktuell sich abzeichnenden (technischen) Entwicklungen?
Gerade habe ich Sir Ken Robinson gehört. Ein zwanzig-minütiges Video. Im Netz, einfach so. Er spricht (wunderbar!) über Kreativität, und wie sie uns systematisch durch Bildungsinstitutionen ausgetrieben wurde und wird. Aber auf der anderen Seite gibt es diese Millionen Blogs, Videos auf YouTube, Fotos auf Flickr. Wenn man jetzt noch das eine, Schule und Bildung, mit dem anderen, Web 2.0 und (ein anderes) SecondLife, zusammenbringen könnte!?
Auf was müssen sich Unternehmen einstellen? Mit welchen Anforderungen werden sie im Umfeld von Wissen konfrontiert werden?
Die meisten Unternehmen unterscheiden noch klar zwischen einem „drinnen“ und „draußen“. Das betrifft Technik, Prozesse und Menschen. Diese Grenze wird in den nächsten Jahren durchlässiger werden müssen, wenn Unternehmen schnell und flexibel auf neue Anforderungen reagieren wollen: Man wird das Wissen von „draußen“ benötigen, um Innovationen effizient zu entwickeln. Das „draußen“ sind die Kunden, die Partner in Netzwerken und Wertschöpfungsketten sowie freie oder part-time Mitarbeiter. Aber auch die „eigenen“ Knowledge Worker werden nur noch „draußen“ die Antworten und Communities finden, die sie zur Lösung ihrer Aufgaben benötigen. Für diese Zielgruppen und Zusammenhänge braucht es andere, intelligentere Wissensprozesse.
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Ueber Jochen Robes: Jochen Robes ist vor einiger Zeit wieder zu den Anfängen seines Berufslebens zurückgekehrt und seitdem als Senior Consultant in der Firma HQ Interaktive Mediensysteme tätig. Darüber hinaus rundet Robes durch Lehraufträge (zuletzt FHTW Berlin), das Schreiben von Artikeln (z.B. "Überlegungen zur Zukunft des E-Learning", Oktober 2006) und einem offenen Ohr für alle Entwicklungen im Umfeld von e-Learning, Learning & Development, HR und IT sein berufliches Portfolio ab. Dazu gehört selbstverständlich auch sein Weiterbildungsblog fuer den er auf der LearnTec im Februar 2006 den "European E-Learning Award 2006" verliehen bekam!
Jochen Robes ist regelmäßig auf Konferenzen & Messen anzutreffen, Mitglied verschiedener Arbeitskreise wie z.B. dem Frankfurter Wissensmanagement-Stammtisch, Jury-Mitglied bei e-Learning Awards - und nimmt wahr, was zeitlich neben Job, Familie, Sport (Rennrad) und Lesen geht.
Zum Glück habe ich weitergelesen. Einen besonderen Dank für den Link zum Video mit Sir Ken Robinson. "Sie ist nicht krank, sie ist eine Tänzerin." Wunderbar!
- weniger Fakten lernen
- mehr Medienkompetenzen um sich Wissen bei Bedarf selbst anzueignen
Das Ganze wird dann oft kombiniert mit einer Modularisierung der Inhalte. Für mich ist es auch nicht der Weisheit letzter Schluß. Was mit dabei fehlt ist der Umgang mit komplexen Inhalte, die eine lange und intensive Auseinandersetzung erfordern. Details lassen sich in 5 Minuten erlernen. Strukturen und Verständnis nicht.



